Re: Lorber, Steiner und Bo Yin Ra/Steiners Luzifergnosis: Fortsetzung


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Geschrieben von Jalux am 18. Januar 2008 14:49:47:

Als Antwort auf: Re: Lorber, Steiner und Bo Yin Ra/Steiners Luzifergnosis geschrieben von Jalux am 18. Januar 2008 13:09:21:

Lieber Aralk,
Hier noch einige Ergänzungen, die ich aufgrund von Zeitdruck im letzten Beitrag nicht ausführen konnte:

>>XXXXXXXXXX Aralk: Ich glaube wir haben eine unterschiedliche Auffassung des Begriffes "Gnosis". Für mich ist ein Gnostiker ein Erkennender, Wissender oder ein Anhänger dieser Richtung. Du hast natürlich mit dem o.G. recht, die offizielle Kirchenlehre sieht das so.

Wie sehr differenziert man das betrachten muß, was von der Kirchenhierarchie und offiziellen Kirchenlehre als angeblich "gnostisch" bezeichnet wird, wird unter anderem an diesem Beispiel deutlich: Ich habe dich schon auf den erwähnten katholischen Autor aufmerksam gemacht, der über Geheimngesellschaften schrieb. Dieser katholische Theologe, Johannes Rothkranz, ist katholischer und päpstlicher als der Papst selbst, indem er sogar die modernen Päpste kritisiert und ihnen - zum Teil, aber nur zum Teil berechtigt - gnostische Irrlehren unterstellt. Dennoch hält er - als Katholik - prinzipiell am Papsttum fest, was schon in sich ein Widerspruch ist, erklärt aber verschiedene Päpste, darunter die beiden letzten, kurzerhand als unrechtmäßig und falsch. Die Ausführungen von Rothkranz betrachte ich zum Teil als überzogen, doch denke ich, daß er brisanten Wahrheiten auf der Spur ist, und ich stimme in den grundsätzlichen Glaubenswahrheiten mit ihm überein, abgesehen natürlich von seiner Stellung zur katholischen Kirchenhierarchie und deren sakramentalen Sonderlehren, deren Heilsnotwendigkeit er propagiert, und seiner Lehre von der ewigen Verdammnis, die für mich eben eindeutig gnostisch gefärbt ist.

>>XXXXXXXXXX Aralk: Ich habe diese Paradieserzählung immer als Legende angesehen, aber vielleicht gibt es hier verschiedene Deutungen.

Hier möchte ich noch betonen, daß ich Jakob Böhme in diesem Punkt durchaus wörtlich verstehe. Obwohl die Menschenseele aus den Naturreichen stammt und sich aus ihnen entwickelt hat, stammt der Mensch dennoch nicht von affenartigen Vorfahren ab. Die physische Makroevolution halte ich aufgrund der innerhalb der Evolutionszweige auftretenden irreversiblen pezialisierungen nicht für möglich.


>>Sicher: auch die Gnostiker hatten ihre Fehler; es gab ja auch keine offizielle Vereinigung der Gnostiker zur Zeit der Gründung der offiziellen "Amtskirche". Aber wie sähe das Christentum aus, wenn man viel freier an diese Sache herangegangen wäre. Es gab ja auch mehr als hundert Evangelien, aber nur vier davon wurden von der "Amtskirche" damals ausgesucht und dem herrschenden Gesetz angepasst. Bekannt sind ja die vielen "Correctores", die immer mal Sachen ausradierten oder "anpassten".


Hier gebe ich dir völlig Recht.Für einen freieren Umgang wäre allerdings echte Geisterkenntnis notwendig gewesen. Und daher erweist sich die geschichtliche Entwicklung für den, der die tieferen Zusammenhänge durchschaut, als durchaus konsequent und notwendig.


>>Ich bin schon der Ansicht, dass das Christentum "kommen musste", weil ja auch alle anderen Religionen schon dahinsiechten. Wie hätte Europa ohne Christentum ausgesehen? Es gibt das christliche Abendland, die christliche Ethik und auch die christliche Seefahrt und die christlichen Parteien. Heilige und fromme Menschen hat es immer gegeben. Die bedeutenden Mystiker (Gnostiker?) wurden je nach politischer Lage heiliggesprochen oder verbrannt. Selten hat eine Organisation so viel Blut vergossen, wie die Kirchen. Franziskus, Meister Eckehart, Katharina von Siena, Theresa von Avila und viele andere hatten ihre "Einsichten" nicht wegen, sondern trotz der Kirche.


Trotz der Kirche bzw. als deren Reformer schon, aber sicher nicht trotz des "Christentums" im Sinne des "Christusimpulses", um den Ausdruck Steiners zu gebrauchen. Die furchtbaren Greueltaten der Kirche wären auch ohne Jesus (ja noch viel schlimmer) geschehen, nur im Namen anderer Idole. Hinzu kommt, daß die dämonische Welt vehement gegen den Christusimpuls ankämpft, wodurch sich auch die Greueltaten im Namen des Christentums erklären.


>>Selbst der Schumacher Jakob Böhme (Philosophus Teutonicus) wurde von der von ihm genannten "Mauerkirche"(evang.) nicht in Frieden gelassen, genau so wie der Philosoph Baruch Spinoza, der allerdings aus der jüdischen Gemeinde in Amsterdam ausgeschlossen wurde (Gnostiker hatten es schon immer schwer!).


Gegen Jakon Böhme hetzte der kleinkarierte Dorfpfarrer Gregor Richter. Spinoza jedoch wurde wegen seines Pantheismus und das Böse verharmlosenden "Panentheismus" allerdings zurecht von seiner jüdischen Gemeinde kritisiert.


Liebe Grüße
Jalux



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